Falsche Diplome, Zeugnisse und Urkunden

Es gibt viele Berufsbezeichnungen in Deutschland, die durch den Gesetzgeber nicht geschützt sind und somit frei von jedermann verwendet werden dürfen.

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Ungeschützte Berufsbezeichnungen

Jeder kann sich z.B. Betriebswirt oder Journalist nennen – ohne spezielle Voraussetzungen erfüllt oder einen bestimmten Ausbildungsweg absolviert zu haben, da die Berufsbezeichnung vom Gesetzgeber nicht geschützt ist [1].

Das gleiche gilt für viele andere ungeschützte Berufsbezeichnungen die ein Berufsbild beschreiben wie beispielsweise:

Astrophysiker, Betriebswirt, Dolmetscher, Fachberater für …, Finanzberater, Finanzkaufmann, Gesundheitstherapeut, Handelsfachwirt, Handelsvertreter, Industriefachwirt, Immobilienmakler, Journalist, Jurist, Komponist, Krisenmanager, Makler, Redakteur, Reiseleiter, Seelsorger, Sexualberater, Tierpsychologe, Unternehmensberater, Umweltberater, Volkswirt, Web-Designer, Werbetexter, Wirtschaftsökonom, …

Rechtlicher Hinweis

Rechtlicher Hinweis

Die Informationen in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, sind jedoch in keinster Weise rechtsverbindlich und stellen auch keine Rechtsberatung dar.

Berufsbezeichung erlaubt oder strafbar?

Die Verwendung einer ungeschützten Berufsbezeichnung ist eine Gradwanderung von zulässig bis strafbar.

Grauzone

Man darf eine ungeschützte Berufsbezeichnung verwenden, z.B. auf der eigenen Visitenkarte, wenn der Beruf ausgeübt wird.

Bsp: Makler Hans Mustermann

Benutzt man allerdings die ungeschützte Berufsbezeichnung, um den Anschein zu erwecken, man sei Akademiker mit abgeschlossenem Studium, hat man schon die Grenze überschritten und macht sich strafbar (Anstellungsbetrug oder Verstoß gegen unlauteren Wettbewerb UWG). [4]

Bsp: Jurist Hans Mustermann

Definitiv verboten (ohne wenn und aber)

Man darf keinerlei akademische Grade vor oder in Zusammenhang mit einer ungeschützten Berufsbezeichnung verwenden, da dies einen akademisch erworbenen Grad implizieren würde [2]

z. B. die Verwendung der Berufsbezeichnung

Diplom-Betriebswirt Hans Mustermann

wäre nicht erlaubt und man macht sich strafbar, wenn man nicht eine entsprechende Ausbildung mit Abschluß nachweisen kann.

Diplome, Zeugnisse, Meisterbriefe

Auch die Verwendung von Diplomen oder sonstigen Urkunden, die im Internet für kleines Geld von Dritten angeboten werden, ist nicht zulässig und strafbar.

Diese „Spaß“-Diplome sind nur etwas für die eigene Wohnzimmerwand. Ein solches fiktives Diplom jedoch in Ihrem Büro/ihren Geschäftsräumen aufzuhängen oder bei Bewerbungen zu verwenden (selbst wenn Sie das Berufsbild ausüben), verstößt gegen geltendes Recht.

Körperliche/Psychische Auswirkungen

Seien Sie sich klar darüber, dass eine Person definitiv davon weiss, dass Sie gelogen oder betrogen haben.
Sie selbst.

Sie werden im Vorstellungsgespräch verkrampft sein und wenn Sie die Arbeitsstelle erhalten, immer in der Angst leben, entdeckt zu werden. Das bedeutet einen permanenten Stress im Job über Jahre hinweg und wenn Sie nicht der absolut abgebrühte Typ von Mensch sind, wird dies zwangsläufig körperliche und/oder psychische Auswirkungen bei Ihnen haben.

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Frau Pinoccio bei der Erstellung ihrer falschen Bewerbungsunterlagen

 

© nito - Fotolia.com
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Herr Ike van Lügenbaron kurz nach seinem Vorstellungsgespräch.

 

Strafbarkeit

Waren Fälschungen und Plagiate vor Jahrzehnten noch Einzelfälle, so hat das Internet die Betrugsmöglichkeiten stark vereinfacht.

Seien Sie sich sicher, dass die Sachbearbeiter und Personalverantwortlichen inzwischen für diese Art des Betrugs sensibilisiert sind und Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auffliegen werden.

Falsche Diplome, Zeugnisse, Gesellen- und Meisterbriefe bei einer Bewerbung vorzulegen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern strafbar.

Anstellungsbetrug

Ein Anstellungsbetrug ist das Erschleichen einer Stellung durch Täuschung des Arbeitgebers. Der Anstellungsbetrug ist Eingehungsbetrug und schon mit Abschluss des Arbeitsvertrages vollendet.

Anstellungsbetrug ist Betrug nach § 263 StGB und ist anzunehmen, wenn Arbeitnehmer dem Arbeitgeber Tatsachen verschweigt od. vorspiegelt, nur durch Irrtumserregung beim Arbeitgeber oder Dienstherrn die Arbeitsstelle erschleicht. [5]

Siehe auch:

[1] Wikipedia: Journalist

[2] Wikipedia: Berufsbezeichnung

[3] dejure.org: § 132a: Mißbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen

[4] gutefrage.net: Ist Jurist ein geschützer Begriff?

[5] rechtslexikon.net: Anstellungsbetrug

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